Portfolio

Twintheworld

schroffe, wilde Natur
Text
Daniel Bauchervez
Copyright
Twintheworld
Erscheinungstermin
27.11.2020

Ihre Bilder zeigen raue Herbststimmungen und winterliche Weiten. Kein strahlendes Blau, sondern wolkenverhangene, windige Gewitterhimmel. So erleben Roman und Valentin ihr Bündnerland und die Welt darum herum.

Sie waren 16 und 17 Jahre alt, als sie mit dem Fotografieren begannen. Ihr Material? Ein einfaches iPhone. Der Name ihres Projekts: Twintheworld. Nicht, dass sie Zwillinge wären – sie sind «nur» Cousins –, sehen sich aber so ähnlich, dass sie gern verwechselt werden. Der eine ist in Graubünden aufgewachsen, der andere im Süden des Kantons St. Gallen. Am Schnittpunkt der beiden Regionen bieten ihnen der umwerfende Caumasee, der ebenso idyllische Crestasee, die tiefen Täler des Oberengadins und die kaum bekannten Lai Blau und Lag de Grevasalvas grossartige Fotosujets.

In ihren atmosphärischen Bildern spiegelt sich ihre Liebe zu den Bergen. Das zögerlich spriessende Grün im Frühling ist von einer seltsamen Melancholie umgeben. Die Mittagszeit entschwindet zugunsten der Morgen- und Abenddämmerung, wenn das goldene, schräg oder flach einfallende Licht den flüchtigen Augenblick eines Sonnenstrahls einfängt oder Formen in einem Spiel von Helldunkel hervorhebt. Ihre Aufnahmen sind keine Klischees. Sie erfassen alle Jahreszeiten und die ganze Bandbreite der Launen der Natur – einschliesslich solcher, die wir oft vorschnell als düster oder gespenstisch empfinden. Schönheit kann auch im verbrannten Gras und im bleigrauen Himmel stecken. Der Mensch ist in dieser epischen Welt Nebensache, seine Präsenz wird oft nur angedeutet, mit einer Leiter oder als winzige Gestalt.

Faszination Skandinavien

Ihre Bilder wurden durch Instagram bekannt. Die Reaktionen der immer zahlreicheren Follower (mittlerweile 220 000) ermutigten sie weiterzumachen. Bestärkt durch den Erfolg zogen die falschen Zwillinge in die Welt hinaus. Nachdem sie ihrer Community die schönsten Orte der Schweiz gezeigt hatten, bereisten sie Europa. Dabei zog es sie fast immer in den rauen Norden, an jene Orte, wo das Wohlwollen des Klimas nicht garantiert ist, das Licht jedes Mal für neue Wunder sorgt und Berge und Natur noch das nahezu ungeteilte Sagen haben.

Auf ihrer ersten Reise zu den Lofoten erwischte es sie voll. Gebannt setzten sie ihre Entdeckungsreise in Norwegen, danach auf den Färöern, in Island, den schwedischen Wäldern, im irischen Hügelland und in den schottischen Highlands fort. Jede Reise war wie ein grosses Durchatmen, bei dem sie Luft und Freiheit tankten. Vor zwei Jahren haben Roman und Valentin allerdings beschlossen, ihre Reisen aus Umweltgründen auf einen grossen Trip pro Jahr zu reduzieren.

Mit beiden Beinen im Leben

Der Erfolg auf Instagram machte auch die Businesswelt auf sie aufmerksam. Grossunternehmen beauftragen die beiden Cousins regelmässig mit Foto- und Videoprojekten. Ausserdem verkaufen sie ihre eigenen Presets, die sie in stundenlanger Bearbeitung ihrer Fotos erstellen. Dennoch liegt ihre Priorität anderswo. Roman studiert an der ETH Zürich Elektrotechnik, Valentin an der Uni Freiburg Geschichte und Geografie. Ihre Ausbildung geht vor. Bodenständig wählen sie ihre Partner aus und halten dabei ihr Feuer für die Fotografie am Leben.

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