Faszination

Grischun

Text
Claude Hervé-Bazin
Copyright
Sils Tourismus / Gian Giovanoli Sils / Sebastian Müller / Stefan Schlumpf
Erscheinungstermin
06.11.2020
Faszination

Der grösste und am dünnsten besiedelte Kanton der Schweiz steht für einsame Landschaften und reine Luft. Mit über 1000 Bergen, 615 Seen und 150 Tälern bildet er das pulsierende Herz der Alpen.

Graubünden ist keine Ansichts-, sondern eine Aussichtssache. Keine Wanderung ohne spektakuläres Panorama, kein Ausflug ohne idyllischen Rundblick. Der junge Rhein, der sich weit unter der Aussichtsplattform Il Spir bei Laax seinen Weg durch die Gebirgslandschaft bahnt, zählt zu den bekanntesten Bündner Wahrzeichen. Die Rheinschlucht sei der Grand Canyon der Schweiz, heisst es. Zurecht? Abgesehen von den Ausmassen ist der Vergleich durchaus berechtigt. Besonders eindrücklich wirkt die «Ruinaulta» von der dreieckigen Holzplattform aus, die aussieht wie ein Mauersegler, der mit offenen Flügeln über dem Föhrenwald schwebt. Unten in der Schlucht bildet der Fluss eine 180°-Schleife.

Typisch Schweiz
In Graubünden mehr als überall sonst in der Schweiz sind Bergkulissen eine Religion und Schwindelgefühle ein Muss. Schon in der Belle Epoque erklommen Seil- und Zahnradbahnen die oft waghalsigen Schrägen, nur, damit den Gästen vor lauter Staunen die Luft wegblieb. Eine dieser Bergbahnen führt hinauf zum Romantikhotel Muottas Muragl (2454 m) mit einer der schönsten Aussichten des Engadins. Vor dem ungläubigen Auge ragen weiss gepuderte Berggipfel in die Höhe, ihre Füsse festgefroren in den anmutigen Seen.
Die Holzbänke des Philosophenwegs laden zum Meditieren ein. Warum in die Ferne reisen, wenn das Glück so nah liegt? Egal, ob mit Wander- oder Skischuhen, die Natur wartet. Einige kommen nachts in Begleitung eines Bergführers, um die in der beissenden Kälte erstarrten Landschaften zu erleben. Im Osten entblösst der Piz Albris unter seinem grossen weissen Mantel kahle Steinhänge, die zu schattigen Talfurchen abfallen. Steinböcke lieben solche Stellen. 1800 Tiere sind in dieser Region heimisch. Im Frühling, wenn die Natur wieder zu spriessen beginnt, steigen sie nach Pontresina hinunter, um sich dort an den ersten Gräsern genüsslich zu tun.
Am anderen Ufer des Ova da Bernina lockt das weite Val Roseg Gemsen und Hirsche auf der Suche nach Nahrung an. In einer einzigartigen Naturidylle mit dem gutmütigen Tosen des Wildbachs als ständigem Begleiter gleitet man auf über 15 Kilometern auf Langlaufski durch die Alaska-ähnliche Wildnis. Das Val Roseg ist eines der intaktesten Täler der Schweiz, streng bewacht vom imposanten Piz Bernina, der hinten im Taltrichter weiss glitzernd Wache schiebt.

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